PassionNiehusmann Gitarren Duo und Hubert Röser

Passion

Nach dem Evangelium des Johannes

mit musikalischen Betrachtungen
für zwei Gitarren

Komposition und Musik
Niehusmann Gitarren Duo

Sprecher
Hubert Röser

 

Die »gehörte Passionsgeschichte« ist besonders in der Fastenzeit seit Jahrhunderten für viele Menschen immer wieder Anlass zur Besinnung und zur Auseinandersetzung. Verschiedene Komponisten haben dabei unterschiedliche Aspekte der Evangelien ausgelotet und – zum teil mit großem Orchester – zu Gehör gebracht. Viele Veranstalter können jedoch diese groß angelegten Passionsmusiken mit zahlreichen Beteiligten nicht realisieren. Die hier angebotene Fassung für Sprecher und zwei Gitarren soll durch die Reduktion des Ensembles ermöglichen, dass auch in kleinsten Gruppen eine musikalische Betrachtung der Passion zu einer zeitgemäßen Auseinandersetzung führt.

Das »Niehusmann Gitarren Duo« hat ein musikalisches Repertoire von frühen Lautenstücken der Renaissance über zentrale Werke der Gitarren-Klassik und der spanischen Romantik bis zur Musik des 20. Jahrhunderts. Verschiedene Konzertreisen führten das Musikerpaar in den Libanon, nach Frankreich, Niederlande, Österreich, in die Schweiz und die USA. Dabei kommen sowohl Lauten als auch Gitarren zu Gehör. CD-Aufnahmen (NAXOS) mit erlesenen Raritäten belegen die Qualität dieses Duos. Unter den mehrfachen Auszeichnungen ist neben anderen auch der Kulturpreis der Stadt Essen. Volker Niehusmann leitet die Gitarrenklasse der Folkwang Universität Essen. Notenausgaben sind bei den Verlagen Trekel in Hamburg und Margaux in Berlin erschienen.

Hubert Röser ist Lektor, Rezitator und Redakteur. Er lebt und arbeitet in Essen und hat ein Faible für Pilgergeschichten und -gedichte.

 

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Termine

Die Passion live erleben: bitte bei unseren Terminen nachschauen.

Kontakt

Niehusmann Gitarren Duo
Neuhof 8
45327 Essen
Telefon: +49 201 49 01 650
E-Mail: volker@niehusmann.com

 


Zur Passion

Eine Welt ist aus den Fugen. Unsere Welt ist aus den Fugen. – Da ist einer, der in der schwersten Stunde von seinen Freunden verlassen wird und sich selbst von Gott verlassen fühlt. Könnten wir da harmonische Klänge erwarten, wo Jesus zweifelt und klagt? Wo das Volk in Sensationslust pöbelt und die Verantwortlichen kuschen und nur an Machterhalt, Vorschriften und Zensur denken? Die Stimmung schwankt zwischen Eile und quälendem Stillstand. Kaum einer versteht, was geschieht. Wer versteht es von uns?

So spiegelt sich die Musik. Von Beginn an gibt es Brüche, kaum klare tonale Bezüge. Wie ein Sturmwind fliegen Töne im Chaos durcheinander. Dann tauchen Phrasenfetzen auf, wie skandierte dumpfe Parolen oder ewig gleiche Fragen oder die nichtssagenden Floskeln der leeren Antworten. Dazwischen: Verweilen in traurigem Blick auf die Welt, die Freunde, die Liebe, die Gerechtigkeit. Ein Blick mit Hoffnung auf Erlösung. Daher auch manchmal harmonische Klänge und Choräle in bangem Glauben. Freundliche Töne (Musik 1 nach der Einleitung »Freuen dürft ihr euch …«) sprechen von Freundschaft und liebender Zuwendung (»Sie ist jetzt deine Mutter«). – Aber unterschwellig droht das Martyrium.

Während der Passion verliert die Musik komplett die Sprache angesichts der Brutalität und des Verrats. Es bleibt manchmal nur Stampfen, Heulen und Kreischen – so wie die Instrumente es gerade noch hergeben möchten.

Im Moment der Vollendung klingt, betrachtend (Musik 16) aus jahrhunderte alter Ferne, eine verzerrte Motette von Alfonso Mudarra (1510 – 1580) und Nicolas Gombert (1495 – ca. 1560) für Vihuela (frühe spanische Gitarrenform) und Gesang zu Psalm 25, 16 – 20 mit dem Text:

Wende dich zu mir und sei mir gnädig;
denn ich bin einsam und elend;
Die Angst meines Herzens ist groß;
führe mich aus meinen Nöten!
Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir all meine Sünden!
Sieh, wie meiner Feinde so viele sind und zu Unrecht mich hassen.
Bewahre meine Seele und errette mich;
lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich!


Die muskalischen Betrachtungen enden zuletzt im Einklang. Beide Gitarren spielen den gleichen einzelnen Ton. Alles führt zurück auf den Einen, den Anfang, die unbeschreibliche Singularität, die alles Geschehene zugleich aufsaugt, beinhaltet und repräsentiert.

So sind diese Musiken nicht wie Bachs Passionen ein bedingungsloser Lobpreis der Herrlichkeit Gottes, sondern vielmehr die Sicht auf das menschliche Scheitern und all unser irdisches Elend – mit der Hoffnung aus Psalm 25.

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